EULDORADO 2012

Ein Sommermärchen

Die Fotos auf dieser Seite und in den Kalendern entstanden im Laufe des Sommers 2012 in einem großen, naturbelassenen, teils auch verwilderten Garten in Stuttgart-Botnang. Ich hatte die wunderbare Gelegenheit, regelmäßig zur Tagesruhe eintreffende Waldohreulen (Asio otus) aus nächster Nähe zu beobachten und zahllose Fotos und Videos zu machen.
Was am 25. Mai 2012 zunächst mit der Entdeckung von drei jungen, aber bereits voll flugfähigen Waldohreulen begann, wurde in den folgenden Wochen und Monaten zu einem unglaublichen Naturschauspiel, einem fantastischen Sommermärchen, einem EULDORADO mit bis zu 20 Eulen.

Aufgeregt schimpfende Amseln machten mich an jenem Abend Ende Mai aufmerksam auf die Waldohreulen, die in der Dämmerung über dem Grundstück kreisten. Am nächsten Tag saßen drei Eulen ganz nah am Haus in einem alten Birnbaum und ich konnte bei Tageslicht meine ersten Fotos von den ruhenden Eulen machen. Abends hörte ich die jungen Waldohreulen mit ziehendem Fiepton nach Futter betteln und sah, wie sie dann in Richtung Wald zur nächtlichen Jagd abzogen. Dieses Schauspiel wiederholte sich die nächsten Tage, bis von den Jungvögeln nach gut einer Woche zwar kein Betteln mehr zu hören war, die abendlichen Flugmanöver aber immer intensiver wurden. Stets konnte ich die Eulen am nächsten Morgen wieder in einem Baum sitzend aufspüren. Sie waren mit der Morgendämmerung zu ihren Ruheplätzen zurückgekehrt und schienen sich in dem Garten sehr sicher zu fühlen.
Eines Abends entdeckte ich auf einem der gedrehten Videos vier, dann fünf Exemplare. Es begann die Zeit des noch genaueren Beobachtens und Zählens. Ich konnte es kaum fassen, als wenige Tage später getrennt in zwei Bäumen jeweils eine Gruppe saß und ich 13 Eulen zählen konnte. In der Hochphase Ende Juli fand ich an zwei Tagen je 20 Exemplare dieser faszinierenden, mir inzwischen sehr ans Herz gewachsenen Eulen. Sie waren für mich zu Freunden geworden.

Gemeinschaftlichen Einflug der Eulen in der Morgendämmerung konnte ich ebenso erleben, wie ihr Verhalten an den Ruheplätzen, das jeden Abend seinen Höhepunkt in der Aktivitätsphase kurz vor Abflug zur Jagd fand. Die Waldohreulen zeigten ihr gesamtes Repertoire in Form von ausgiebigem Putzen, warnendem Rufen, verhaltenem Keckern zur Begrüßung untereinander, neugierigem Kopfdrehen in alle Richtungen, dem unnachahmlich schaukelnden Tanz, der nur im Video wiederzugeben ist, bis hin zu dem lautlosen Flug dicht über die Köpfe auch mancher Beobachter, die das abendliche Spektakel erlebten. Die Reaktionen der Eulen auf mehrere Begegnungen mit einer jungen Füchsin, dem Igel, Eichhörnchen, Katzen und Fledermäusen waren ebenfalls stets spannend.

 

Bis Ende September 2012 hielt sich der Bestand auf 15 bis 17 Eulen, trotz einer seit dem Spätsommer sehr nahen Baustelle im direkt angrenzenden Gelände. Ab Oktober aber wurden es leider kontinuierlich immer weniger Eulen. Jeder Tag der weiteren Beobachtung war für mich dann auch wie ein Abschied. Über den Verbleib „meiner“ Waldohreulen kann ich nur mutmaßen. Immerhin eine Eule konnte ich bis Ende des Jahres 2012 noch gelegentlich entdecken.

Leider wiederholte sich dieses unglaubliche Sommermärchen bisher nicht annähernd. Im Jahr 2013 hatte ich nur ganz wenige Sichtungen einer einzelnen Waldohreule, mit jeweils sehr großen zeitlichen Abständen.

 

Mit meinen Bildern möchte ich die Freude, die ich bei all den Beobachtungen hatte, weitergeben und auch Begeisterung wecken für den Schutz von Eulen.

 

 

Text: Katrin Sdun


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